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Einäscherung im Krematorium: Was bei der Kremation passiert

Der Ablauf einer Einäscherung im Krematorium: Was passiert wirklich bei einer Kremation?

Viele Angehörige fragen sich, was mit einem geliebten Menschen im Krematorium geschieht. Dieser Beitrag beschreibt den Ablauf einer Einäscherung Schritt für Schritt: welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wie die Identität gesichert wird, was im Ofen passiert und wie die Asche in die Urne kommt.

Die Beschreibung ist sachlich gehalten. Wenn Sie einzelne Abschnitte gerade nicht lesen möchten, können Sie sie überspringen. Die Kapitel zur Identität und zu häufigen Sorgen am Ende beantworten die Fragen, die Angehörige am häufigsten stellen.

Bevor eingeäschert werden darf

Eine Einäscherung lässt sich nicht rückgängig machen. Deshalb gelten strengere Voraussetzungen als bei einer Erdbestattung. Am Anfang steht wie immer die ärztliche Leichenschau mit der Todesbescheinigung. Sie hat einen offenen und einen vertraulichen Teil, nur im vertraulichen Teil steht die Todesursache.

Die Sterbeurkunde, die das Standesamt danach ausstellt, enthält keine Todesursache. Sie nennt Namen, Geburt, letzten Wohnsitz, Familienstand sowie Ort und Zeitpunkt des Todes.1 Für das Krematorium ist sie trotzdem wichtig, weil sie belegt, dass der Sterbefall beurkundet ist.

Vor jeder Einäscherung ist in Deutschland eine zweite ärztliche Leichenschau vorgeschrieben. Eine Amtsärztin, ein Amtsarzt oder eine Rechtsmedizinerin prüft erneut, ob es Hinweise auf einen nicht natürlichen Tod gibt. Erst wenn das ausgeschlossen ist, darf eingeäschert werden, sonst entscheidet die Staatsanwaltschaft.2

Bevor das Krematorium den Auftrag annimmt, müssen ihm mehrere Unterlagen vorliegen. Meist reicht der Bestatter sie gesammelt ein. Die Stadt Ludwigshafen nennt zum Beispiel:3

  • Sterbeurkunde
  • vertraulicher Teil der Todesbescheinigung
  • Bescheinigung über die amtsärztliche (zweite) Leichenschau
  • Bestattungsgenehmigung, soweit das Land sie vorsieht

Manche Kommunen verlangen zusätzlich eine Erklärung, dass die Feuerbestattung dem Willen des Verstorbenen entspricht. In Nürnberg gibt es dafür ein eigenes Formular zur Willensbekundung.4 Liegt eine Bestattungsverfügung vor, reichen Sie diese mit ein.

Sarg und Implantate

Eingeäschert wird immer im Sarg. Er sollte aus Holz bestehen und möglichst keine Metallteile, Kunststoffe oder Lacke enthalten, damit beim Verbrennen wenig Schadstoffe entstehen. München etwa schreibt für die Feuerbestattung ausdrücklich Särge aus Vollholz vor.5 Auch Polster und Decken sollten aus Naturfasern sein.

Herzschrittmacher und implantierte Defibrillatoren müssen nach Bundesrecht nicht entfernt werden. Explosionen im Ofen sind laut Deutscher Herzstiftung nur aus alten Einzelfällen bekannt. Manche Krematorien verlangen die Entnahme trotzdem in ihrer Betriebsordnung, dann übernimmt sie meist die Ärztin oder der Arzt bei der zweiten Leichenschau.6

Ankunft im Krematorium und Sicherung der Identität

Der Bestatter bringt den Sarg ins Krematorium. Dort wird er mit den Unterlagen abgeglichen und in einem Kühlraum aufbewahrt, bis die zweite Leichenschau stattgefunden hat und alle Papiere vorliegen. Viele Krematorien äschern danach innerhalb weniger Werktage ein, in Hamburg etwa innerhalb von drei Werktagen nach der Leichenschau.7

Damit keine Verwechslung möglich ist, erhält jeder Verstorbene eine Einäscherungsnummer. Sie wird in einen feuerfesten Schamottstein graviert, der mit dem Sarg in den Ofen fährt und danach zusammen mit der Asche in die Aschekapsel kommt.8 Auch Jahre später lässt sich die Urne so eindeutig zuordnen.

Jeder Sarg wird einzeln eingeäschert.7 Das Krematorium dokumentiert jede Einäscherung mit Datum, Namen und Verbleib der Urne und muss diese Aufzeichnungen mehrere Jahre aufbewahren, in Niedersachsen mindestens fünf Jahre.2

Ob Sie diesen Moment miterleben möchten, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Für manche Menschen ist er ein wichtiger Abschluss, andere verabschieden sich lieber vorher am offenen Sarg oder in der Trauerfeier. Beides ist richtig.

Was im Ofen geschieht

Der Sarg wird auf eine Einfahrvorrichtung gestellt und mechanisch in die vorgeheizte Hauptkammer gefahren. Die Anlage ist so gebaut, dass sie keinen Sarg aufnimmt, solange die vorgeschriebene Mindesttemperatur nicht erreicht ist oder die Messwerte auf eine Störung hinweisen.9

In der Hauptkammer herrschen je nach Anlage etwa 750 bis 1.000 °C.78 Zuerst entzündet sich das Holz des Sarges. Danach verdampft das Wasser im Körper, und Weichteile, Fett und Muskeln verbrennen unter Zufuhr von Luft. Das ist eine gewöhnliche Verbrennung, also eine Reaktion mit Sauerstoff. Zurück bleiben die mineralischen Bestandteile der Knochen, vor allem Kalziumphosphat, als helle Bruchstücke.

Die eigentliche Einäscherung dauert je nach Körpergewicht und Ofen etwa eine bis zwei Stunden. Hamburg nennt rund eine Stunde, Freiburg etwa zwei Stunden.78 Längere Angaben in manchen Ratgebern beziehen Wartezeiten, Abkühlen und Verarbeitung der Asche mit ein.

Vereinfacht lässt sich der Vorgang in drei Abschnitte teilen:

  1. Beginn: Der Sarg fängt durch die Hitze Feuer, das brennende Holz bringt zusätzliche Wärme in die Kammer.
  2. Hauptphase: Wasser verdampft, die Weichteile verbrennen. Die Luftzufuhr wird so geregelt, dass die Verbrennung gleichmäßig und vollständig abläuft.
  3. Ausbrand: Es bleiben nur noch Knochenreste und nicht brennbare Teile wie Metall. Sie werden so lange erhitzt, bis keine organischen Reste mehr vorhanden sind.

Die Nachverbrennung

Die Gase aus der Hauptkammer strömen in eine Nachbrennkammer. Dort müssen sie nach der Verordnung über Anlagen zur Feuerbestattung mindestens 850 °C erreichen, damit unverbrannte Stoffe vollständig zerstört werden. Für Staub, Kohlenmonoxid, organische Stoffe sowie Dioxine und Furane gelten feste Grenzwerte, die laufend überwacht werden.9

Nach der Verbrennung: Metalle und Aschemühle

Nach der Verbrennung kühlen die Überreste ab, bis sie gefahrlos entnommen werden können. Dann werden sie aus dem Ofen geholt und der Schamottstein wird kontrolliert.

Größere Metallteile werden von Hand aussortiert, etwa künstliche Hüft- oder Kniegelenke, Schrauben, Platten und Sargnägel. Sie lassen sich weder mahlen noch in eine Urne füllen. Die übrigen Knochenreste kommen anschließend in eine Aschemühle, auch Kremulator genannt. Sie zerkleinert die Bruchstücke zu feiner, gleichmäßiger Asche. Dabei holen Magnete oft kleinere Metallteile heraus.10

Was mit Zahngold und Implantaten geschieht

Nach einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs von 2015 gehören zur Asche alle Rückstände der Einäscherung, auch nicht verbrennbare Teile wie Zahngold. Wer sie ohne Einwilligung an sich nimmt, macht sich wegen Störung der Totenruhe strafbar.11 In dem Fall hatten Mitarbeiter eines Hamburger Krematoriums Zahngold entwendet.

Seitdem regeln Krematorien den Umgang mit Metallen ausdrücklich. Der Deutsche Städtetag empfiehlt, dass Angehörige schriftlich zustimmen, wenn Metalle entnommen und verwertet werden, und dass die Erlöse etwa gemeinnützigen Zwecken zugutekommen.10 Andere Krematorien lassen Zahngold grundsätzlich in der Asche. In Hamburg zum Beispiel verbleibt es ohne Ausnahme in der Urne.7

Ganz sauber trennen lässt sich das technisch nicht. Edelmetalle können geschmolzen an anderen Teilen haften, winzige Reste können im Ofen verbleiben. Der Städtetag weist deshalb darauf hin, dass kein Krematorium garantieren kann, dass jedes Gramm Zahngold in der Kapsel landet oder vollständig aussortiert wird.10

Zähne bestehen wie Knochen überwiegend aus mineralischem Material. Sie verbrennen nicht vollständig, zerfallen aber in kleine Stücke und werden mit den übrigen Knochenresten in der Aschemühle zu Asche verarbeitet. Quecksilber aus alten Amalgamfüllungen verdampft und wird in der Abgasreinigung zurückgehalten.

Aschekapsel, Urne und Weg zum Friedhof

Die gemahlene Asche wird zusammen mit dem Schamottstein in eine Aschekapsel gefüllt. Die Kapsel wird verschlossen und mit dem Namen des Verstorbenen beschriftet.2 Viele Krematorien verwenden inzwischen Kapseln aus biologisch abbaubaren Naturfasern.8

Die Aschekapsel ist die eigentliche Urne im rechtlichen Sinn. Für die Beisetzung stellen viele Familien sie in eine Schmuck- oder Überurne, die sie beim Bestatter auswählen. Für den Bestattungswald oder die See gelten besondere Anforderungen an das Material.

Danach geht die Urne an den Friedhof, entweder durch den Bestatter oder per Urnenversand. Der Versand kostet meist ca. 25 bis 75 €.12 Angehörige bekommen die Urne höchstens für den Transport zur Beisetzung ausgehändigt. In Nordrhein-Westfalen müssen sie dem Krematorium innerhalb von sechs Wochen nachweisen, dass die Urne ordnungsgemäß beigesetzt wurde.13

Wie schnell die Urne bereitsteht, hängt vom Krematorium ab. Nürnberg stellt sie innerhalb von drei Arbeitstagen nach der Trauerfeier bereit.4 Bleibt eine Urne länger liegen, können Lagergebühren anfallen, in Ludwigshafen nach 14 Tagen 3,50 € pro Tag. Dort kostet der Versand innerhalb Deutschlands 125 €, also mehr als die übliche Spanne.3 Stimmen Sie den Beisetzungstermin deshalb früh mit dem Friedhof ab.

Was Angehörige oft beunruhigt

Bekomme ich wirklich die richtige Asche?

Ja. Einzeleinäscherung, Einäscherungsnummer, der gravierte Stein in der Kapsel und die Dokumentation sorgen dafür, dass die Asche zugeordnet bleibt. Kleinste Rückstände im Ofen lassen sich technisch nie ganz ausschließen, sie ändern aber nichts daran, dass die Asche in der Urne die des Verstorbenen ist.

Ist auch Asche vom Sarg dabei?

Ja, ein kleiner Teil. Holz verbrennt fast vollständig und hinterlässt nur wenig Asche. Der weitaus größte Teil des Urneninhalts stammt von den Knochen des Verstorbenen.

Wird der Verstorbene vorher untersucht oder geöffnet?

Bei der zweiten Leichenschau wird der Körper äußerlich untersucht. Eine Obduktion findet nur statt, wenn der Verdacht auf einen nicht natürlichen Tod besteht und die Staatsanwaltschaft sie anordnet. Das ist die Ausnahme.

Kann es sein, dass jemand noch lebt?

Nein. Vor einer Einäscherung haben zwei Ärztinnen oder Ärzte unabhängig voneinander den Tod festgestellt, bei der ersten Leichenschau anhand sicherer Todeszeichen und bei der zweiten erneut. Zwischen Tod und Einäscherung liegen zudem meist mehrere Tage. Diese Sorge ist verständlich, aber unbegründet.

Wenn Sie die Vorstellung der Einäscherung belastet oder Bilder Sie nicht loslassen, sprechen Sie mit dem Bestatter, mit vertrauten Menschen oder in einer Trauergruppe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.14

Was kostet die Einäscherung?

Für die Einäscherung samt Aschekapsel sind ca. 200 bis 600 € üblich.12 Zwei kommunale Beispiele: In Nürnberg kostet sie 380,80 € einschließlich Urne und Beschriftung, in Ludwigshafen 458,15 € zuzüglich 23,80 € für die Aschekapsel.43 Hinzu kommen Sarg, zweite Leichenschau und die Leistungen des Bestatters.

Passend dazu Feuerbestattung Wie die Feuerbestattung insgesamt organisiert wird und wer entscheidet, erklärt der Überblicksbeitrag.

Fazit

Eine Einäscherung folgt festen Regeln: zweite Leichenschau, Einzeleinäscherung mit Nummer und Stein, Verbrennung mit überwachter Nachverbrennung, Aussortieren der Metalle und Abfüllen in eine beschriftete Kapsel. Wenn Sie den Abschied im Krematorium miterleben möchten oder Fragen zu Metallen und Zahngold haben, sprechen Sie das früh beim Bestatter an. Er kennt die Betriebsordnung des Krematoriums.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert eine Einäscherung?

Die Verbrennung selbst dauert je nach Anlage und Körpergewicht etwa eine bis zwei Stunden. Danach kühlen die Überreste ab, Metalle werden aussortiert und die Knochenreste gemahlen. Bis die Urne bereitsteht, vergehen meist einige Tage, weil vorher die zweite Leichenschau stattfinden muss. Manche Krematorien stellen die Urne innerhalb von drei Arbeitstagen bereit.

Werden mehrere Verstorbene gleichzeitig eingeäschert?

Nein. In deutschen Krematorien wird jeder Sarg einzeln eingeäschert. Die Einäscherungsnummer, der gravierte Schamottstein und die Aufzeichnungen des Krematoriums stellen sicher, dass die Asche eindeutig zugeordnet bleibt. Gemeinsame Einäscherungen, wie sie in manchen Tierkrematorien angeboten werden, gibt es bei Menschen nicht.

Was passiert mit Zahngold bei der Einäscherung?

Zahngold gehört rechtlich zur Asche. Krematorien dürfen es nur mit Einwilligung der Angehörigen entnehmen und verwerten. Manche lassen es grundsätzlich in der Urne, andere entnehmen Metalle mit schriftlicher Zustimmung und spenden die Erlöse. Wenn Ihnen das wichtig ist, fragen Sie den Bestatter vorab, wie das Krematorium verfährt.

Muss ein Herzschrittmacher vor der Einäscherung entfernt werden?

Eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht. Einige Krematorien verlangen die Entnahme trotzdem in ihrer Betriebsordnung, andere nicht. Wo sie nötig ist, nimmt sie meist die Ärztin oder der Arzt bei der zweiten Leichenschau gegen eine kleine Gebühr vor. Die Angehörigen müssen sich darum nicht selbst kümmern, der Bestatter klärt es.

Können Angehörige bei der Einäscherung zusehen?

In vielen Krematorien können Angehörige bei der Einfahrt des Sarges in den Ofen dabei sein, oft in einem eigenen Abschiedsraum. Die Verbrennung selbst ist nicht zu sehen. Ob und wann das möglich ist, regelt jedes Krematorium selbst. Melden Sie den Wunsch über den Bestatter an, damit ein Termin vereinbart werden kann.

Quellen

  1. § 60 PStG – Sterbeurkunde (gesetze-im-internet.de)
  2. § 12 Niedersächsisches Bestattungsgesetz – Feuerbestattung (voris)
  3. Stadt Ludwigshafen: Sterbefall – Einäscherung im Krematorium (Abruf Oktober 2026)
  4. Stadt Nürnberg: Krematorium – Einäscherungen (Abruf Oktober 2026)
  5. Deutsche Herzstiftung: Explodiert ein Defibrillator im Krematorium?
  6. Landeshauptstadt München: Friedhofssatzung, § 12 Särge und Urnen
  7. Hamburger Krematorium: Fragen und Antworten
  8. Eigenbetrieb Friedhöfe Freiburg: Krematorium – Fragen und Antworten
  9. 27. BImSchV – Verordnung über Anlagen zur Feuerbestattung, §§ 3 und 4 (gesetze-im-internet.de)
  10. Deutscher Städtetag: Empfehlungen zum Umgang mit metallischen Kremationsrückständen (2015)
  11. BGH, Beschluss vom 30.06.2015 – 5 StR 71/15 (hrr-strafrecht.de)
  12. Aeternitas e. V.: Übliche Preisspannen bei Bestattungen
  13. § 15 BestG NRW – Feuerbestattung (lexmea.de)
  14. TelefonSeelsorge Deutschland